Andacht

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„Glaube ist etwas für Schwache und Alte. Glaube ist etwas für Menschen, die Probleme haben.“ – Solche Sätze höre ich manchmal von Gemeindegliedern.

Übersetzt bedeuten sie: „Ich bin jung und stark. Mir geht es gut. Ich brauche Gott nicht.“

Auch aus dem Mund gestandener Christen, denen Glaube wichtig ist und denen ihre Gemeinde sehr am Herzen liegt, höre ich Sätze, die derselben Grundannahme folgen – Sätze wie: „Den Menschen geht es viel zu gut. Deshalb fragt heute kaum noch jemand nach Gott.“

Die eine Sichtweise steht dem Glauben kritisch gegenüber. Die andere Sichtweise leidet darunter, dass unsere Gemeinde immer kleiner wird. Beide Sichtweisen teilen dieselbe, jedoch in meinen Augen völlig falsche Grundannahme, wonach der christliche Glaube lediglich als Lösung für bestehende Lebensprobleme gesehen wird.

Wahr daran ist, dass Glaube tatsächlich eine Kraftquelle ist, dass Gott uns hilft, wenn wir in schwierigen Situationen zu ihm beten, dass Jesus uns erquickt, wenn wir mühselig und beladen zu ihm kommen (vgl. Mt 11,28).  Allerdings will Gott von uns nicht nur als Problemlöser in Anspruch genommen werden: Er nimmt uns auch in Dienst. Er ruft uns in seine Nachfolge. Er beruft uns zu seinen Mitarbeitern, um mit ihm gemeinsam die wirklich großen Probleme dieser Welt anzugehen. Dazu braucht er gerade auch die Jungen und Starken und die, denen es gut geht.

Jesus sagt auch zu dir: „Folge mir nach!“ Kein Christ kann sich diesem Ruf entziehen, ohne in Schwierigkeiten zu geraten.

Christsein bedeutet, Jesus nachzufolgen. Es bedeutet bei Jesus zu sein, mit ihm zu reden, auf ihn zu hören und ihn immer näher kennenzulernen. Es bedeutet, darauf zu achten, wohin Jesus mich führt, um dann dort „Salz und Licht“ für die Welt (vgl. Mt 5,13-16) und Zeuge für Jesus (vgl. Apg 1,8) zu sein.

Christsein bedeutet, dass wir durch die Taufe und durch den Glauben Kinder Gottes und zugleich mit vielen anderen zusammen Glieder des Volkes Gottes sind. Christsein ist unsere Identität – in jeder Sekunde unseres Lebens. Jesus nachzufolgen entspricht unserem Wesen.

Wo sind sie heute, die mutigen Männer und die tapferen Frauen, die den Ruf Jesu ernst nehmen und ihre Bestimmung leben?

In einem Psalmwort heißt es: „Gottes Fußstapfen triefen von Segen.“ (Ps 65,12). Wer Jesus nachfolgt, erfährt Leben in einer nie gekannten Fülle.

 

Gottes Segen wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Jan Dechert